Costa del SolEin Tag wie jeder andere in Andalusien...

 

Selbst der Alltag klingt in Andalusien eher nach Fiesta. Bei aller Lässigkeit der Lebensweise wird auch hier natürlich gearbeitet. Mittags gibt es immer die lange Pause, die Siesta, da ist oft von 14 bis 17 Uhr gerade niemand im Büro, in der Kanzlei oder in der Praxis. Am Telefon sitzt dann am liebsten der Anrufbeantworter und auf den Straßen weicht die sonst übliche Geschäftigkeit einer im wahrsten Sinne gähnenden Leere, wie ausgestorben.

Geschäfte öffnen häufig ab 10 Uhr morgens und bis abends gegen 20 Uhr, Supermärkte öffnen früher, Shoppingcenter und Kaufhäuser sind nicht selten durchgehend von 10 Uhr bis 22 Uhr geöffnet.

Feiertage, meist christlichen oder politischen Ursprungs, oder viel und pompös gefeierte Schutzpatrone, gibt es reichlich. Fallen sie zudem auf einen Sonntag, wird auch der Montag dafür noch flach gelegt. Beliebt ist "Puente", auf Deutsch Brücke. Und die baut man sich so: Fällt ein Feiertag auf einen Freitag, dann soll bitte auch am Samstag die Arbeit ruhen. Manche bauen auch eine große Brücke, wenn der Feiertag ein Donnerstag ist, dann sind Freitag und Samstag und Sonntag frei von Fron und Arbeit. Ähnlich verhält es sich bei so glücklichen Fügungen wie einem Feiertag dienstags. Montag ist dann ein weiterer schöner ruhiger Tag im Leben des Andalusiers.

Die schönsten Tage aber sind die Feria. Dann, wenn Stadt oder Dorf (mí pueblo!) zu Ehren des Schutzpatrons oft eine ganze Woche – Tag und Nacht feiert. Da fließt viel Wein, viel Sherry, Bier und Brandy, auf den Strassen wird getanzt und auf dem Festplatz in den Casetas auch. Die Lärmkulisse der Fahrgeschäfte erreicht mühelos gesundheitsschädliche Dezibelwerte. Und die Andalusier finden das nur natürlich und total schön.

Außer den in Deutschland üblichen Feiertagen, wie Neujahr, gibt es in Andalusien u.a. folgende Abweichungen:

  • Weihnachten hat nur einen Weihnachtsfeiertag, den 25. Dezember.
  • In der Osterwoche sind der Gründonnerstag und der Karfreitag Feiertage, am Ostermontag wird gearbeitet. Während der ganzen Karwoche, Semana Santa genannt, finden glanzvolle Prozessionen statt, bei denen monumentale und prächtige Altare durch die Straßen von Städten und Dörfern getragen werden – bis tief hinein in die Nacht. Frauen und Kinder sind prächtig gekleidet und die Straßen, Kutschen und weitere Vehikel farbenfroh geschmückt.
  • Pfingsten hat keinen Pfingstmontag.

Andalusiens Feier-Tage

 

06. Januar: Heilige Drei Könige, "Los Reyes", da erhalten die meisten Kinder ihre Weihnachtsgeschenke, Heiligabend ist Familientag.

  • 28. Februar: Día de Andalucía
  • 19. März: San José
  • 01. Mai: Tag der Arbeit
  • 24. Juni: San Juan – Jahrestag des Königs
  • 29. Juni: Peter und Paul
  • 25. Juli: Día de Santiago
  • 15. August: Mariä Himmelfahrt
  • 12. Oktober: „Día de la Hispanidad“ – erinnert an die Entdeckung Amerikas
  • 01. November: Allerheiligen
  • 06. Dezember: Día de Constitución - Tag der Verfassung
  • 08. Dezember: Mariä Empfängnis

Der Andalusier...

 

Und der Andalusier? Ein netter Menschenschlag ist das, der meist freundlich sein Land mit seinen Gästen teilt und die Fülle an Feiertagen eifrigst nutzt. Er lässt gerne Fünfe gerade sein, isst, trinkt, feiert und am liebsten singt und tanzt er, besonders den "Flamenco" oder auch die "Sevillana" zelebriert er intensiv. Nicht gerade zu den wohlhabendsten EU-Bürgern zählen die Südspanier, aber eigentlich haben sie doch ein ganz schönes Leben.

Sie sind höflich und man schreit sich auch während eines Streits nicht an, Anschreien oder sehr ungehalten zu reagieren, das gilt hier als asozial. Man wahrt die Form. Pünktlichkeit darf man allerdings nicht erwarten. Ist man eingeladen, kommt man tunlichst eine Viertelstunde zu spät, auch das ist schon knapp im Timing und könnte für Irritationen sorgen, höflicher ist es eine runde halbe Stunde nach dem genannten Termin zu erscheinen.

Man kommt in Andalusien im Grunde genommen mit nur drei Wörtern aus: tranquilo, gesprochen: trankilo, bedeutet "immer ruhig bleiben". Mañana, gesprochen: mannjana heisst morgen, und so wird das zumeist auch mit der Verschiebung von (zuvor noch verbindlichen) Terminen gehandhabt. Und wenn gar alle Stricke reissen, gilt immer no te preocupes (und so spricht man das auch). Das heisst: mach' Dir keine Sorgen, alles wird gut! Und das trifft die Lebensweise in Andalusien eindeutig am Besten.

Im Strassenverkehr...

 

Im Straßenverkehr ist mit einer gewissen Lässigkeit bei der andalusischen Fahrweise zu rechnen. Dazu ein paar Tipps – ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

  • Bei Spurwechsel wird nicht immer geblinkt, um diesen anzuzeigen.
  • Nicht immer gilt rechts vor links, wo nicht, findet man besser selbst heraus.
  • Alkohol am Steuer wird auch schon in geringen Mengen geahndet und kann teuer kommen, im schlechtesten Fall landet man gleich in einer Ausnüchterungszelle im berüchtigten Gefängnis von Alhaurin. Mit Kontrollen ist häufig nachts in den Kreisverkehren an den Ausfahrten der Carretera zu rechnen, besonders im Sommer.
  • Natürlich schmeißt man keine glimmenden Kippen aus dem Wagen, schon gar nicht in einem solch trockenen Landstrich wie hier, und löst damit Flächen- und/oder Waldbrände aus.
  • Falsch Parken: das machen die Andalusier sehr gerne, auch in der zweiten oder auch schon mal der dritten Reihe und meistens sind sie dann gerade im überaus wichtigen Gespräch zur letzten Partie von Real Madrid mit dem Fahrer auf der Gegenseite oder eben auf ein paar Tapas verschwunden. Kommen sie dann wohlgenährt oder angetrunken zurück, können sie die Aufregung von Fahrern zugeparkter Fahrzeuge rein gar nicht - verstehen, hier gilt doch schliesslich "no te preocupes".
  • Immer häufiger werden Falschparker übrigens abgeschleppt, besonders Leihwagen von Touristen, da steckt immer zahlungskräftige Kundschaft drin. Also bitte: nicht an den gelben Linien parken, nur an den blauen!
  • Geschwindigkeitsrausch oberhalb des Limits oder gar Stechen fahren mit Spaniern sollte man sich besser verkneifen: es wird viel kontrolliert und man muss viel bezahlen, wird man bei einer Geschwindigkeitsübertretung erwischt.

Und hat man es doch einmal mit der Polizei zu tun: immer höflich bleiben! Je mehr man sich offensichtlich ärgert, desto teurer wird’s am Ende.